18.05.2011

von Charlotte Block

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SXSW Interactive 2011

South by Southwest (SXSW), das Festival für Musik, Film und interaktive Medien, findet seit 1987 jährlich in Austin (Texas) statt, und SXSW Interactive ist mittlerweile wichtiger Indikator für digitale Trends. Hier erblickte zum Beispiel auch twitter 2007 das Licht der Welt – und machte schon im Folgejahr von sich reden, als das Publikum während der Keynote von Mark Zuckerberg über den Microblogging-Dienst das Kommando übernahm. Dieses Jahr hat denkwerk sich unter die etwa 20.000 Besucher der Interaktiv-Konferenz gemischt. Das Ende der Veranstaltung ist inzwischen über vier Wochen her, die Eindrücke sind gesackt und zumindest ein Teil der Masse an Informationen verdaut.

Mit mehreren hundert offiziellen Veranstaltungen war das Themenangebot bei SXSW 2011 wie jedes Jahr quasi unüberschaubar, aber trotzdem lassen sich einzelne Trend-Themen ableiten. Zuerst einmal: Grundlegend bewegen die amerikanische Branche ähnliche Themen wie die deutsche. Mobile Dienste wie twitter und foursquare werden in den USA zwar auch in der breiten Masse wesentlich selbstverständlicher genutzt als bisher in Deutschland, doch eine ähnliche Entwicklung ist auch bei uns in absehbarer Zeit zu erwarten. Dass der gemeine Konferenzbesucher nahtlos über sein Smartphone dokumentiert, wo er sich gerade befindet und auf dem frisch am Erscheinungstag erstandenen iPad2 den twitter-Stream zum aktuellen Vortrag checkt, darf auch gerne unter Berufskrankheit verbucht werden. Regelmäßige Freebies für eingecheckte Personen vor Ort und natürlich exklusive SXSW-Badges von foursquare und gowalla, die das Nerd-Herz höher schlagen lassen, taten ihr übriges. PepsiCo und diverse andere Firmen gaben diesen digitalen Pulsschlag der Konferenz auf Projektionen aus, so dass auf einen Blick aktuelle Trendthemen und Checkins bei den einzelnen Veranstaltungen zu sehen waren. Angesichts dieser digitalen Meta-Ebene, die die ganze Konferenz umspannte, waren die von Ogilvy präsentierten Visual Notes, während ausgewählter Panels angefertigte illustrierte Protokolle, eine willkommene analoge Abwechslung.

Schon in der Eröffnungs-Keynote von Seth Priebatsch (Gründer von SCVNGR) zeichnete sich eines der dominantesten Themen ab, die schnell in aller Munde war: der Game Layer. In seiner Präsentation bewies der charismatische 22-jährige mit dem Mut zur hässlichsten Sonnenbrille der Welt nicht nur sein rednerisches Talent (irgendwoher müssen die Millionen Venture Capital kommen….), sondern erklärte auf mitreißende Art seine Vision des location-based Gaming, die er mithilfe seines Services LevelUp erreichen will. Dass sich diese Mechanismen auch für klassische Internetseiten adaptieren lassen, legte Nadya Direkova von Google in ihrem Panel „Game On: Design Patterns For User Engagement“ dar.

Gary Vaynerchuck, Keynote-Sprecher des letzten Jahres und Gründer von des erfolgreichen Online-Weinhandels winelibrary.com, ließ es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, nach angeblicher längerer Überlegung die Bühne zu betreten. Unter dutzenden Flüchen stellte er sein neues Buch „The Thank You Economy“ vor und brach damit eine Lanze für das nachhaltige Verständnis von und direkte Gespräch mit den eigenen Kunden. Dafür erntete er Standing Ovations und schaffte eine Stimmung, die eher einer Mischung aus Sektenveranstaltung und Rockkonzert entsprach. Abschließend ließ er es sich nicht nehmen, jeden einzelnen der viertausend Anwesenden zum Bleistiftkampf herauszufordern.

Ebenfalls vieldiskutiert unter Panelisten und Besuchern waren neue nachhaltige Konzepte in der Digitalindustrie. Das Thema Umweltschutz ist mittlerweile erklärte Sache des SXSW-Organisationsteams und viele Startups und NGOs nutzten die Konferenz für groß angelegte Meetups. Blake Mycoskie, Gründer von TOMS Shoes, zeigte in einer emotionalen Keynote, dass sozial orientierte Geschäftsmodelle durchaus auch erfolgreich sein können. Das Selbstverständnis der Branche wandelt sich: Sie ist längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen und das Bedürfnis, die Gesellschaft nachhaltig mitzugestalten, groß.

Nicht unerwähnt bleiben soll das Technology Summit, an dem auf Einladung von Ralph Christoph (Head of Strategy, c/o pop und C’n’B Convention), Boris Loehe (President, Mufin), Ralf Lülsdorf (Leitung International Sponsoring, Deutsche Telekom) und Stefan Klein (Project Director, HWF Hamburg) auch Charlotte Block von denkwerk Deutschland repräsentiert hat. In der einstündigen Podiumsdiskussion, die der Erkundung der New Media Szene in Deutschland gewidmet war, stellten Sie sich den Fragen der Anwesenden. Neben allgemeinem Interesse an der deutschen Mentalität und der Marktlage waren vor allem Infos zur Smartphonenutzung und spezifischen Zielgruppen gefragt.

Von links: Ralph Christoph (c/o pop, C’n’B), Boris Loehe (Mufin), Ralf Lülsdorf (Telekom), Charlotte Block (denkwerk), Stefan Klein (HWF Hamburg)

Insgesamt war SXSW Interactive 2011 ein Erlebnis, das vor allem durch den Unternehmergeist der Präsentatoren und Besucher sehr inspirierend war. Allen Daheimgebliebenen seien die mittlerweile online verfügbaren Mittschnitte der Vorträge der featured speaker an’s Herz gelegt – und natürlich, 2012 dem sonnigen Austin einen Besuch abzustatten.

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