• 1 month ago / Kristyna Lyle

Finding Ernesto

Ernesto, das katzifizierte Wärmekissen

Aus allen Ecken der Welt reisten die Praktikanten Rita Faia, Jennifer Monclou, Michal Simon und Julian Reineck an, um in unserem thinx Innovationslabor in Köln zu landen. Aber hier fing die Reise erst richtig an. Das Ziel der kreativen Köpfe? Einen interaktiven Gegenstand prototypisch realisieren. Einzige Bedingung: Das Designobjekt soll die Charaktereigenschaften einer Katze aufweisen. Herausforderung angenommen.

Einen „katzifizierten“ Alltagsgegenstand interaktiv gestalten – gar nicht so leicht. Doch unsere thinxler waren gut vorbereitet. Sie studieren alle Produkt- und Industriedesign. Die besondere Herausforderung jedoch bestand für alle gleichermaßen darin, eine spielerische Interaktion mit dem Produkt entstehen zu lassen und außerdem die emotionale Bindung zwischen Objekt und Nutzer zu steuern.

Unterstützung fanden sie beim bestehenden thinx Team und nahmen an diversen Workshops zu Ideation und Konzeption teil. Der „Breaking the Glass“-Workshop mit dem Screenless Interfaces Kit sorgte ebenfalls für frische Impulse sowie neue Design- und Entwicklungsansätze. Zusätzlich wurden in weiteren Workshops Grundkenntnisse in Elektrotechnik, Coding, Mikrocontrollern sowie Arduino-Prototyping vermittelt. So konnten die thinxler methodisch gut gerüstet starten.

Aber zurück zur Aufgabenstellung. Da war ja noch was: Katzeneigenschaften. Also erst mal recherchiert: Wie verhalten sich Katzen eigentlich? Hier kamen auch denkwerk interne Katzen-Experten zum Einsatz und durften von ihren Stubentigern schwärmen. Mit Hilfe verschiedener Kreativitäts-Techniken, wie z.B. der „What-If“- oder der „6-3-5“ -Methode entwickelten die thinxler final vier Produktideen. Zur Wahl standen ein Staubsauger, ein Wecker und eine Lautsprecherbox. Oder sollte doch das Konzept für einen persönlichen Heizapparat umgesetzt werden? Der Gewinner (Trommelwirbel): die persönliche Heizung! Ein interaktives Wärmekissen, auch und vor allem für katzenlose Frostbeulen.

Am Ende von noch mehr Brainstorming, Skizzen und Experimenten mit verschiedenen Formen und Materialien stand dann ein erster Prototyp. Selbst konzipierte und organisierte Workshops mit denkwerkern sorgten zwischendurch immer wieder für wertvolles Feedback von potentiellen Nutzern bezüglich Design und Interaktion. Das finale Ergebnis wurde jedoch erst am Ende des Sommers bei unserem Kreativ-Frühstück vorgestellt. Herausgekommen ist: Ernesto, ein „katzifiziertes“ Wärmekissen.

Ein flexibles Grundgerüst, einer Wirbelsäule ähnlich, fügt sich zu einer ovalen Form zusammen und erinnert an den beweglichen Körper einer Katze. Grauer Filz an der Unterseite simuliert die Anschmiegsamkeit des Tieres – Kuscheln to go sozusagen. Doch Ernesto hat auch interaktive Komponenten, die den doch sehr eigenen Charakter einer Katze abbilden sollen. Ein Infrarotsensor in der Ladestation - die an ein Körbchen erinnert - erkennt, ob eine Person im Raum ist und misst die Raumtemperatur. Ist Ernesto der Meinung, seinem Besitzer sei kalt, meldet er sich mit sanften Lichtsignalen  und bietet seine Wärme an. Wird Ernesto dann auf den Schoß genommen, beginnt er unmittelbar zu wärmen. Winzige Sensoren im Filz verlangen dafür jedoch auch Streicheleinheiten als Gegenleistung: Ohne Berührungen hört Ernesto auf, Wärme abzugeben. Typisch Katze halt.

Insgesamt hat die Frage nach der Emotionalisierung und eines Gegenstandes und die Interaktion mit dem Besitzer die meiste Zeit eingenommen. Rita Faia dazu: „Wir entwickeln bereits verstärkt Beziehungen zu Objekten wie z.B. unseren Handys, verlieren aber immer mehr den Kontakt zu Dingen, die keinen Bildschirm haben. Viele davon sind für uns schlicht Gebrauchsgegenstände. Durch die Schaffung eines Alltagsgegenstandes, zu dem wir dennoch eine Beziehung aufbauen können, verlagern wir unsere Fokus von der bildschirmfixierten Welt wieder in die physische Welt  – erleben aber dennoch Interaktion. Durch diese Interaktion und die Reaktionen des Gegenstandes wird es dem Menschen möglich sein, eine Bindung aufzubauen. Wir glauben fest daran.“

Auch Michal Simon plädiert für ein Umdenken unter Designern: „Viele Gegenstände in unserem Umfeld werden zunehmend intelligent. Durch ihr Aussehen oder die Interaktion mit ihnen verleiehen wir ihnen unabsichtlich eine Persönlichkeit. Dieser Aspekt sollte im Designprozess viel mehr berücksichtigt werden.“
Zurzeit wird der Prototyp von Ernesto weiter optimiert und noch an den einzelnen Stellschrauben gedreht, um ihm den letzten Schliff zu verleihen. Zwar ist das Konzept Ernesto an sich rund; bis das Kätzchen schnurrt, bedarf es aber noch einiger Tests und Kuscheleinheiten. Danke an die diesjährigen Summer of thinx Praktikanten für die tolle Zusammenarbeit und unser neues „denktier“ Ernesto!