• 2 months ago / Antigoni Tsengelis

Schön in Form geblieben, Freunde!

Frank Berzbach - Kreatifrühstück im denkwerk

Zugegeben, auf einigen Schreibtischen hier waltet hin und wieder das kleinere oder größere (kreative) Chaos. Passt doch zu Kreativen, zu Künstlern. Die schlafen nämlich nicht, weil sie lieber kreativ sind, und die räumen auch nicht auf und sind vielleicht ja gerade deswegen so inspirativ. Denkste. Frank Berzbach, der mit seinen Werken auf Lesereise ist, hat uns bei unserem gemeinsamen Kreatifrühstück über sein neuestes Sachbuch „Formbewusstsein. Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge.“  eine außerordentlich interessante Perspektive auf die Dinge eröffnet. Genauer gesagt auf ein „Ding“, das wir alle nur zu gut kennen: den Alltag. Wenn wir nämlich mal genauer hingucken, ist er alles andere als „alltäglich“ oder „banal“ – schließlich ist er die Zeit, in der wir unser Leben verbringen.

„Wer ein Puzzle zusammenfügen möchte, der sucht im anfänglichen Durcheinander zuerst die Eckstücke. Sie bilden den Rahmen – eine Form – und innerhalb dieser Begrenzung lässt sich das Bild leichter vervollständigen. Erst diese Beschränkung ermöglicht Freiheit.“ Dies gilt auch, und sogar ganz entscheidend, für den Alltag. Formlosigkeit, Zerstreuung bringen uns nur aus dem Rhythmus und lassen uns den Halt verlieren. Frank Berzbach zeigt anhand zentraler Themenbereiche unseres alltäglichen Lebens – Ernährung, Liebe, Kleidung, Medien und Besitz – wie wir zu aktiv Gestaltenden werden und unsere Kreativität dabei bestmöglich entfalten können. Der Prozess der Formgebung wird also ein Teil der Kunst des kreativen Lebens. Damit macht er jeden – völlig unabhängig seiner beruflichen Tätigkeit – zu einem Lebenskünstler, der schöpferisch Einfluss auf seine Gegenwart nimmt. Klingt schon mal voll gut, klingt schon mal voll motivierend.

Und wie genau geht das jetzt? Allem voran durch Achtsamkeit, vielleicht angemessener übersetzt mit „Geistesgegenwärtigkeit“ oder „Gewahrsein“. Frank spricht von einer besonderen Haltung – nämlich die eigene Gegenwart, die eigenen Handlungen bewusst zu (er)leben und dabei auch noch so kleinen, alltäglichen Entscheidungen ausreichend Bedeutung beizumessen. Das fängt bei der Entscheidung für ein gesundes Frühstück an, geht über den ausreichenden Schlaf, den wir benötigen, um (kreativ) zu funktionieren, bis hin zur Kleidung, die wir wählen und auch den Beziehungen, die wir haben. Es ist ausschlaggebend, unsere Aufmerksamkeit auf das Jetzt zu richten. Viel zu oft verlieren wir uns in Zukunftsmusik und abstrakten Sinnfragen und vergessen dabei, dass die Entscheidungen, die wir heute treffen, uns den Weg für unsere übergeordneten Ziele ebnen. Macht irgendwie ganz schön viel Sinn. Und es scheint ganz so, dass der Mensch in gewisser Weise tatsächlich auch intuitiv danach strebt, den Dingen Form geben zu wollen.

Was aber, wenn es jemand vorzieht, zu nicht gesündesten Zeiten, wie nachts zu arbeiten? Oder man sich „vortrefflich“ in seinem Schreibtischchaos zurechtfindet? Zwei Dinge sind für Frank entscheidend: Zum einen, in welchem Ausmaß die „Formlosigkeit“ besteht und ob ein Ausgleich vorhanden ist, und zum anderen, ob das eigene Bewusstwerden darüber, was auf lange Sicht wirklich wichtig und wertig ist, vorhanden ist. Ausreichend Schlaf beispielsweise wird der eigenen Produktivität langfristig nur zu Gute kommen.

Frank schafft es in seinem Buch „Formbewusstsein“ vortrefflich, Erkenntnisse aus der Psychologie, Achtsamkeitsforschung sowie Kulturgeschichte zu verbinden und für unseren Alltag neu zu interpretieren: Der Alltag wird dabei zu dem Raum, in dem wir uns aktiv und künstlerisch entfalten – ja, vielmehr noch – den wir aktiv mitgestalten können. Dieser Prozess lässt uns die Dinge intensiver wahrnehmen und die Schönheit und das Potenzial unseres Alltags und unserer verschiedenen Lebensbereiche erkennen. Das Herstellen heilsamer Ordnung fängt schließlich bei uns an: in unseren Gedanken, in unseren Wohnungen, in den Beziehungen, die wir führen. Wir sagen: Herzlichen Dank, Frank, für all die Denkanstöße, die „Formbewusstsein“ liefert – der Blick auf das eigene Verhalten ist geweckt und die Motivation, bewusster das Steuerrad zu übernehmen, voll da! Anlass genug ... einfach mal wieder den Schreibtisch aufzuräumen – Bug-Board voraus!

Das Kreatifrühstück ist ein monatliches Event, das seit Sommer 2012 im denkwerk stattfindet. Ziel und Zweck ist, gemeinsam mit unseren Gastsprechern beim Frühstück über den (digitalen) Tellerrand des eigenen Arbeitsalltags hinwegzuschauen.