
Agentisches Programmieren (Agentic Coding) ist längst mehr als ein Buzzword auf Konferenzfolien. Aber Folien zu folgen ist das eine, live zu erleben, wie 40 Entwickler:innen aktiv werden, das andere. Dabei kann man sehen, wie viel Software entsteht, wenn ein Coding-Agent nicht nur Zeilen vervollständigt, sondern ein ganzes Programm mitbaut.
Ein Nachmittag, neun Teams, ein Thema
Das Tech-All-Hands ist ein jährliches Format bei denkwerk. Dieses Jahr stand es komplett im Zeichen des agentischen Programmierens. Das Thema war „denkwerk als Retro-Game“. Mehr Vorgaben gab es nicht. 40 Kolleg:innen aus Köln und Berlin verteilten sich auf neun Teams. Dann blieben 2,5 Stunden Zeit. Kein Briefing, kein Workshop, keine Blaupause. Am Ende präsentierten die Teams ihre Ergebnisse und kürten die Sieger.
Kein Briefing, nur der Agent und die Idee
Rund 90 Prozent der Teams arbeiteten mit Claude Code, ein kleinerer Teil nutzte Cursor oder das JetBrainsPlugin. Das Thema „denkwerk als Retro-Game“ interpretierte jedes Team anders. Die meisten griffen zu klassischen Genres – einen Frogger-Klon oder auch ein Pokémon-artiges Sammelspiel – und legten die eigene Projektorganisation und Teamarbeit als Spielinhalt darüber. Ein Team ging noch einen Schritt weiter und baute ein Mini-Games-Bundle: jede Person entwickelte ein eigenes Mini-Game, die Ergebnisse zahlten in einen gemeinsamen Game-Stand ein und Power-Ups wurden zwischen den Spielen geteilt.
„Das Team gibt das Ziel vor, der Agent erstellt Komponenten und Basisanwendung. Das Team prüft und entwickelt weiter. Der Agent setzt um. Ungefähr so muss man sich das iterative Vorgehen beim Agentic Coding vorstellen.“
Teilnehmendes Team, Tech-All-Hands 2026
Auch Agenten müssen im Team arbeiten
Der agentische Ansatz ist kein Selbstläufer und genau das macht ihn interessant. Der eigentliche Engpass lag nicht in der Code-Generierung: Ein Agent schreibt schnell brauchbare Spiellogik. Aufwendig wurde es, sobald mehrere Teammitglieder parallel mit eigenen Agenten arbeiteten und ihre Ergebnisse zu einem gemeinsamen Spiel zusammenführen wollten. Einige Teams starteten deshalb noch einmal von null, andere nahmen bewusst eine Basisversion und iterierten von dort aus weiter, anstatt mehrere Stränge parallel zu verweben.
„Wichtigste Grundlage für gute Ergebnisse ist ein solider Harness, der vom gesamten Team genutzt wird.“
Teilnehmendes Team, Tech-All-Hands 2026
Rasend schnell zur komplexen Software mit Agenten als Team-Partner
Beim letzten Tech-All-Hands standen KI-Agenten zwar schon zur Verfügung – sie waren aber noch nicht ganz so weit. Jetzt, ein Jahr später, trugen sie einen kompletten Nachmittag: neun Teams, neun fertige Spiele in nur 2,5 Stunden. Der eigentliche Fortschritt war nicht das einzelne Spiel, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der komplexe Software in Stunden und nicht erst in Wochen entsteht – und das Vertrauen, das jede:r Einzelne dabei in den eigenen Umgang mit Agenten gewonnen hat. Wenn ein neu zusammengestelltes Team an einem Nachmittag ein komplettes Spiel inklusive Sound und Assets baut: Was wird dann erst aus einem Kundenprojekt, bei dem einige Wochen zur Verfügung stehen?
Diesen Artikel teilen